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Wir sind zu scheu, wenn es um Netzwerke geht.

“Viel mehr auf das Netzwerk an Gleichgesinnten zu schauen. Dem viel mehr Wertschätzung entgegenzubringen. Sich absolut zu unterstützen, gegenseitig zu pushen, Reichweite und Erfolg zu schenken und im Gegenzug auch offen und beherzt nach Hilfe zu bitten.”

Wir sind zu scheu, wenn es um Netzwerke geht.

Diese Frage lässt mich seit einem Gespräch mit Sebastian Klein nicht mehr los. Sebastian ist Gründer von Neue Narrative und beschäftigt sich unter anderem mit extremem Reichtum – mit der Frage, wie eine sehr kleine Gruppe mit sehr viel Geld über Macht und Zugang verfügt, die der Rest der Bevölkerung nicht hat. Was das mit Demokratie zu tun hat, erforscht er gerade für sein neues Buch, für das er mich und viele andere Menschen interviewt.

Eine seiner Fragen an mich war: Wo ist die Grenze zwischen legitim und verwerflich, wenn wir die Netzwerke, die wir uns durch ehrenamtliches Engagement aufbauen, auch beruflich nutzen? Wie machst du das, Lara?

Meine Gedanken dazu waren bis zu der Frage eher diffus, ich erinnere mich noch gut, dass ich vor einem Jahr noch dachte, dass mir mein Engagement für Demokratie vielleicht beruflich eher schaden würde. Worüber ich dementsprechend nie nachgedacht hatte, war, ob die Kontakte mich beruflich weiterbringen oder anderweitig nützen würde.

Meine erste Antwort im Gespräch war dementsprechend spontan und gleichzeitig, war die Einstellung bei mir schon fest verankert gewesen: Diese Frage stellen sich vor allem die Falschen. Wer viel hat, stellt sie sich nicht. Die Aufsichtsratsrolle bringt Ministerkontakte, aus denen Aufträge werden – das scheint akzeptiert oder zumindest geduldet. Wer wenig(er) Kontakte und Ressourcen hat und über sein Ehrenamt Kontakte findet, die auch beruflich helfen, fühlt sich schnell in Rechtfertigungsnot, denkt darüber nach, ob das moralisch verwerflich sei.

Ich sehe da eine ungleiche Skepsis und Vorsicht. Für unsere Gesellschaft wäre ein umgekehrtes Verhältnis wohl der bessere Deal.

Meine zweite Antwort ist persönlicher. Als ich mich im Rahmen meiner politischen Arbeit mit dem sog. „Project 2025“ beschäftigt habe, ist mir etwas bewusst geworden. Wer es nicht kennt: Project 2025 (auch bekannt als 2025 Presidential Transition Project) ist ein 912 Seiten umfassendes, konservatives Konzept der Heritage Foundation, das als politischer Bauplan für die Umgestaltung der US-Bundesregierung und die Konsolidierung der Exekutivgewalt dient. Dazu gehört u.a. die „Project 2025 Präsidentschafts-Personaldatenbank“ ist ein privates, konservatives Talentregister. Ihr Ziel ist es, tausende loyale Personen zu rekrutieren, zu überprüfen und zu schulen, um eine rechtskonservative Regierungsadministration zu besetzen und präsidiale Erlasse (Executive Orders) aggressiv umzusetzen.

Ich war natürlich entsetzt darüber und bin es noch immer, aber: Es brachte mich damals dazu, darüber nachzudenken, ob wir nicht auch gut daran täten, die Menschen, mit denen wir an einem Strang ziehen, nämlich dem für Rechtsstaatlichkeit und Demokratie, auch noch viel mehr als Ressource, schöner gesagt, als das Wertvollste zu sehen, das wir haben.

Sebastian brachte das Thema in meinem Gedankenpalast wieder nach vorne und meine Antwort ist heute:

Viel mehr auf das Netzwerk an Gleichgesinnten zu schauen. Dem viel mehr Wertschätzung entgegenzubringen. Sich absolut zu unterstützen, gegenseitig zu pushen, Reichweite und Erfolg zu schenken und im Gegenzug auch offen und beherzt nach Hilfe zu bitten.

Dafür bin ich.

Denn die eigentliche Frage ist nicht, ob wir Kontakte nutzen dürfen. Sie ist, WOFÜR wir sie nutzen. Geht es um meine Held:innen-Geschichte, unlautere Vorteile, Fame? – oder arbeite ich an einer wichtigen Sache?

Solange ich an einer Sache arbeite, die zum Gemeinwohl beiträgt, ist Netzwerken keine Grauzone, darf niemals beschämt werden und sollte frei heraus und aktiv praktiziert werden. Es ist nämlich, so denke ich inzwischen, eine der wichtigsten Voraussetzungen, um wirklich etwas zu bewegen.

Und es ist ein Muskel, den wir trainieren können. Je öfter ich ihn nutze, desto selbstverständlicher denke ich in Verbindungen: Wenn ich jemanden Treffe, von einer guten Sache erfahre, jemanden neues Kennenlerne, denke ich inzwischen immer sofort: Wer könnte ihr helfen? Welches Buch, welche Person, welches Projekt passt hier?

Und – was für ein Segen – ich habe auch gelernt, nach Hilfe zu fragen.

Es wird leichter mit der Zeit. Ganz sicher!

Lasst uns entspannter werden und uns unterhaken: Ich habe ein Ziel – kannst du mir dabei helfen? Und umgekehrt: Was kann ich für dich tun, um dich erfolgreicher zu machen mit dem, was du erreichen möchtest?

Wer ist dabei?

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